Das Kinderschutz-Zentrum
 
 

Das Wohl der Kinder seit 40 Jahren im Blick

Gütersloh. Zum Geburtstag zündete der Vorsitzende des Vereins Kinderschutzzentrum, Dr. Stefan Grollmann, dem Erscheinungsbild entsprechend eine blaue Kerze an. Die vier Bläser des Gymnasial-Posaunenchors am Evangelisch Stiftischen Gymnasium stimmten wenig später in ein Geburtstagsständchen bei der Feier im Flussbett Hotel-Restaurant ein – so viel Harmonie und Anerkennung war zur Gründung des Kinderschutzzentrums vor 40 Jahren nicht zu spüren.


Im Jahr 1979 hatte die UNO-Generalversammlung das Jahr des Kindes ausgerufen, um den Bedürfnissen der Kinder weltweit mehr Beachtung zu schenken. Damals lag ein Hauch von Revolution in der Luft, als neben Berlin mit Gütersloh ein weiterer Standort für ein neues Verständnis von Kinderschutz in der „Provinz“ gefunden und als Modellprojekt für vier Jahre finanziert wurde.


Der Ansatz ging davon aus, dass Eltern nicht extra „schlechte Eltern“ sind und ihre Kinder schlagen. Und: Kinder wollen in der Regel keine anderen Eltern, sondern ihre Eltern, nur eben ohne Gewalt, so Sabine Kliem. Die Leiterin des Angebotes NischE für Familien mit psychischen Belastungen erklärte, dass die Kinder nur solange in der damaligen Außenwohngruppe in Spenge untergebracht und von den Eltern getrennt werden sollten, wie es unbedingt nötig war. In der Zwischenzeit hatten die Eltern dann die Möglichkeit, mittels Beratungsgesprächen in Gütersloh die Ursachen für ihr Handeln bestenfalls zu erkennen und ihr Verhalten zu ändern.


Der Ansatz brachte damals die Stadt und den Kreis zunächst auch ins Grübeln: „Hilfe statt Strafe und Dialog statt Gewalt“, erläuterte Birgitt Rohde in ihrem Grußwort zwei entscheidende neue Herangehensweisen. Die Leiterin des Kreisjugendamtes betonte: „Vor 40 Jahren noch kritisch beäugt, ist das AWO-Kinderschutzzentrum in der Stadt und dem Kreis Gütersloh heute nicht mehr wegzudenken.“


Die stellvertretende Bürgermeisterin Monika Paskarbies machte deutlich, wie wichtig das inzwischen mächtig gewachsene Angebot der Einrichtung immer noch ist, „denn nach wie vor sind Kinder und Familien vielfältigen Belastungen ausgesetzt“.

 

Die Geschäftsführerin des Trägervereins AWO-Kinderschutzzentrum, Ulrike Boden, sprach davon, dass Kinderschutz auch in Zukunft ein gesamtgesellschaftliches Thema bleibe: Experten gingen davon aus, dass etwa jedes vierte Kind misshandelt und jedes siebte Kind missbraucht würde: „Jede Woche sterben in Deutschland drei Kinder an den Folgen ihrer Misshandlung.“  


Dass dabei die Arbeit des Kinderschutzzentrums immer auch ein Stück von den finanziellen Gegebenheiten abhängig war und ist, zeigte Pia Eckmann, Leitung der Familienberatungsstelle, in einem Rückblick auf: So gibt es die Einrichtung in Spenge schon lange nicht mehr, dafür hatte sich dann 1984 zum Zweck der Finanzierung der Eigenmittel der – bis heute existierende – Förderverein gegründet, der die Arbeit der Familienberatungsstelle und der NischE finanziell unterstützt.


Ein weiterer Meilenstein war 1992 die Anerkennung der Beratungsstelle durch das Land NRW als Anlaufstelle bei sexuellem Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung, so Ulrike Boden.

 

Sie finden den Vortrag von Christian Groß weiter unten als Link (pdf-Datei).

 

Foto: Feiern (Kinderschutz-)Geburtstag: Kreis-Jugendamtsleiterin Birgitt Rohde, die stellvertretende Bürgermeisterin Monika Paskarbies, Pia Eckmann (Leitung Familienberatung), der Vorstandsvorsitzende des Vereins Kinderschutzzentrum, Dr. Stefan Grollmann, Sabin Kliem (Leitung des Angebotes NischE), AWO-Geschäftsführerin Ulrike Boden, Anke Stengel (Leitung der ambulanten Erziehungshilfen) und Festredner Christian Groß (Sozial- und Suchttherapeut am LWL-Klinikum). Foto: privat